|
Studienwoche zum Bauimpuls Rudolf Steiners (31.7. bis 6.8.1999)
- ein Bericht -
Zum dritten Mal wurde in der Freien Hochschule für anthroposophische Pädagogik in Mannheim die Studienwoche zum Bauimpuls Rudolf
Steiners durchgeführt. Unter dem Titel: „Die Gegenwartssituation der Architektur und die Aufgabe des Organischen Bauens" hatte sich eine Gruppe von ca. 25 engagierten Teilnehmern, - Fachleuten und Laien, - zu
intensiver Arbeit und Gesprächen zusammengefunden.
Fragt man nach dem Motiv, das die Menschen - mitten in der Ferienzeit für eine ganze Woche zusammenführte, so war es zweifellos
das intensive Interesse an dem Wesen des „Organischen Bauens" und an seinem Verhältnis zu den Strömungen und Entwicklungen der Gegenwartsarchitektur.
Vom ersten Versuch Bekanntschaft mit dem Bauimpuls Rudolf Steiners zu machen, bis hin zu den Fragen, die sich erst nach
jahrzehntelanger Beschäftigung mit diesem Thema ergeben, war alles bei den Teilnehmern vertreten, die sich gemeinsam auf den Weg zu einem tieferen Verständnis machten.
Nicht die Frage was ist Organische Baukunst, sondern was ist sie wirklich, - da wo sie unmittelbar
aus den Impulsen Rudolf Steiners hervorgeht und sich in Bauwerken manifestiert, die uns in einzigartiger Weise den organischen Zusammenhang der Teile mit dem Ganzen vor Augen führen -, beschäftigte die Teilnehmer.
Schon in den vorausgegangenen Studienwochen war deutlich geworden, dass aus dem praktischen Tun heraus, durch künstlerisches Üben
und nicht durch ein System von Begriffen der Weg zum Verständnis des Organischen Bauens gegangen werden muss. So wurde vor
allem hier ein Schwerpunkt gelegt, ebenso auf eine sorgfältige phänomenologische Arbeit.
Fruchtbarste Anregungen ergaben sich immer wieder da, wo die Beziehung zwischen dem menschlichen Organismus und den
Gesetzmäßigkeiten der Baukunst in der Erfahrung aufgesucht werden konnten.
Gemeinsame künstlerische Tätigkeit im eurythmischen,
musikalischen und plastischen Bereich bildete die Grundlage für die Betrachtung von Architektur-Phänomenen, die in zahlreichen Beiträgen vorgestellt wurden.
Architekturplastische
Übungen am Vormittag behandelten zunächst die wichtigsten Grundphänomene der Baukunst und führten schließlich zum Entwurf eines modernen Zweckbaues im Organischen Baustil.
An den Nachmittagen
stand das Modell des II. Goetheanums im Zentrum der Aufmerksamkeit. Von verschiedenen Seiten versuchten sich die Teilnehmer durch den künstlerischen Nachvollzug im Plastizieren dem Außenmodell Rudolf Steiners zu nähern.
In einer anschließenden Gesprächszeit wurden Beiträge von Teilnehmern zu den Fragen des Organischen Bauens und der
Gegenwartsarchitektur gegeben und vielfältige Fragen zum Thema behandelt.
Igor Wispler stellte seine Diplomarbeit, den städtebaulich bezogenen Entwurf für ein Landtagsgebäude in Berlin, vor. Johannes
Gabert von der Christophorus-Schule in Hamburg-Bergstedt berichtete von seinem methodischen Ansatz zur Behandlung moderner Architekturformen im Epochenunterricht. Der Architekt für Organisches Bauen, Heinrich J.
Mayer, zeigte Bilder und berichtete von zwei Projekten: einer Christengemeinschaftskirche und einem Erweiterungsbau der Waldorfschule in Pforzheim. Gerhard Meighörner gab einen Beitrag zu spirituellen Wahrnehmungen
an Architekturphänomenen und Jens Warntjen aus Kassel zeigte Entwürfe zu einem Waldorfschulbau.
Die Reihe der Abendvorträge begann mit dem Thema:
- Zur Entwicklung der Architektur und ihrer Beziehung zum Menschen (Ulrich Schöne, Mannheim).
- Imre Makovecz, ein Beispiel zur Gegenwartsarchitektur (Projekt EXPO 2000) (Peter Epp, Mannheim)
- Die Signatur der Gegenwartsarchitektur (Nikolaus von Kaisenberg, Alfter)
- Das Element von Pfeiler und Säule in der Architektur Rudolf Steiners - mit Studien zu den Kapitellformen am folgenden Vormittag -(Alexander Schaumann, Düsseldorf)
- Phänomenstudien zur Saalgestaltung in den Goetheanumbauten : :- als Vorbereitung für die Tagung vom 3. bis 5. Dezember 1999 im Goetheanum -(Ulrich Schöne, Mannheim)
- Der Vortrag: „Die Wirkung der Architektur auf die Wesensglieder der Menschen" von Günter Luft, Heidenheim, musste auf ein späteres Mal verschoben werden.
Das gleiche Thema war jedoch auch Gegenstand der morgendlichen Textarbeit am zweiten Vortrag des Zyklus: „Kunst im Lichte der
Mysterienweisheit", der ein wesentliches Element im Ringen um das Verständnis der Architekturphänomene bildete.
Besonders dankbar wurden die eurythmischen Übungen mit Christine Morf aufgenommen, die zu Beginn jedes Tages die Beziehung zu den
Fragen der inhaltlichen Arbeit durch praktische Erfahrungen herstellten.
Das Element der Musik und ihr Verhältnis zum Raum lebte durch Gesang und musikalische Improvisationen mit Günter Blechert am
frühen Nachmittag im Kreis der Teilnehmer. Am letzten Tag der Studienwoche konnte eine kleine künstlerische Darbietung im Saal der Hochschule gegeben werden.
Das rückblickende Gespräch am Ende der Tagung zeigte, wie lebendig die Arbeit der Studienwoche sich bis zuletzt gestaltete, so
dass der Blick unmittelbar auf die Fortsetzung im kommenden Jahr 2000 gerichtet wurde. Mit Dankbarkeit für die gegenseitige Wahrnehmung und das vielseitige gemeinsame Erleben im künstlerischen und sozialen Prozess
fand die Studienwoche ihren Abschluss. Der Dank galt auch besonders jenen Teilnehmern, die hier namentlich nicht genannt wurden, die aber durch praktische Hilfe in der Organisation und Durchführung, durch
Gesprächsbeiträge, Fragen und ihre aktive Teilnahme Wesentliches zum Gelingen beigetragen haben.
Ulrich Schöne
Mannheim, 22.10.1999
|