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Tagungsbericht
Zum siebten Mal hatte sich in Mannheim, in den Räumen der Freien Hochschule für anthroposophische Pädagogik, unter Leitung von Ulrich Schöne
eine Studiengruppe zum Thema des organischen Bauens zusammengefunden. Die Studienwochen begannen im Sommer 1997 mit einer vergleichenden Gegenüberstellung der beiden Goethea- numbauten und Übungen zu Grundelementen
der Architektur. Im Jahr darauf wurde das konkrete Projekt einer „Soziokulturellen Begegnungsstätte“ Thema der Arbeit. Es folgten die Beschäftigung mit dem Motiv eines Flughafens, die zeichnerische
Auseinandersetzung mit dem Außenbau des 2. Goetheanums sowie der Entwurf eines Schulgebäudes. Aus dem
letztjährigen Thema, der Beschäftigung mit den Bereichen einer sozialthera-peutischen Einrichtung (Wohn-, Pflege- und Kultur-projekt für Jung und Alt), ging der Impuls für die diesjährige Arbeit hervor.
Die Annäherung fand jeweils auf erkenntnistheoretischer und künstlerisch-praktischer Ebene statt: die Auseinan-dersetzung mit den
beiden Goetheanumbauten als Anregung und Fundament der Arbeit, Architektur-plastizieren, ergänzt durch Grundlagenarbeit an ausge-wählten Texten Rudolf Steiners und durch eurythmische und musikalische Übungen. An den
Abenden fanden das Thema vertiefende Vorträge statt.
Den Entwurf eines für den Kultus der Christengemeinschaft geeigneten Baus hatten wir uns in diesem Jahr zur Aufgabe gemacht. Wir
machten uns an die Arbeit und schufen jeder seinen eigenen Kirchenbau als Tonmodell und erlebten, welch großen Vorteil es hatte, das Thema nicht nur vorstellungsmäßig und verbal zu bewegen, sondern wirklich die
Tonmassen zu bewegen und so zu tiefergehenden Erlebnissen bzw. Einsichten zu kommen. Es kristallisierte sich sehr bald heraus, welche „Elemente“ in diesem Gebäude ihren „Raum“ finden müssten: der Altarraum als
Bereich für den Kultus und der Bereich für die Gemeinde. Beide müssten sich durchdringen, so, dass kein Bereich ein Übergewicht hat und sie andererseits nicht unverbunden nebeneinander bestehen. Wie muss der Raum
gebildet sein, dass ein Gleichgewicht beider Bereiche erlebbar ist? Wir sahen, welch großen Unterschied es macht, wenn z.B. die Winkelstellung der Wände zueinander scheinbar minimal geändert wurde oder die
Höhe des Baues im Verhältnis zu Länge und Breite. Uns bewegte die Frage, ob in einem rechteckigen Bau ein solches Raumerleben möglich sein kann oder ob es nicht vielmehr einen gewölbten „Himmelsraum“ braucht -
und wie sich dazu der Gemeinderaum gestalten sollte. Wie fühlt sich der Kirchenbesucher, wenn er den Kirchenraum betritt? Erlebt er Geborgenheit oder Ferne oder fühlt er sich erhoben? Wie soll der Eingangsbereich gestaltet sein? Sollte es Säulen geben wie z.B. im 1. Goetheanum, und welche Funktion hätten sie in diesem Zusammenhang? Viele, viele Fragen bewegten uns und fanden ihre Antwort in den unterschiedlichen Entwürfen, die entstanden.
Leitgedanke für unsere Arbeit waren die Ausführungen Rudolf Steiners, der im Hinblick auf die enorme Bedeutung der Bauwerke für die
Zukunft formulierte, dass die Menschen, wenn sie sich beeindrucken lassen von dem, was in diesen Kunstformen spricht, wenn sie mit ihren Herzen diese Formensprache verstehen, ...“ihren Mitmenschen nicht mehr Unrecht
tun, denn sie werden von den künstlerischen Formen Liebe lernen; sie werden lernen, in Harmonie und Frieden mit ihren Mitmenschen zusammenzuleben. Friede und Harmonie wird sich ergießen in die Herzen durch diese
Formen. Gesetzgeber werden solche Bauten sein. Und dasjenige, was nicht erreichen können äußerliche Veranstaltungen, das werden erreichen die Formen dieser unserer Gebäude!“( Rudolf Steiner: Wege zu einem
neuen Baustil. Ga 286, Dornach, 3. Aufl.1982, S.118)
Bei solch hohem Anspruch scheint es mir wichtig zu betonen, dass es uns um ein Erüben ging. Dem Impuls des organischen Bauens zu
folgen war unser Bemühen. Was hieß das konkret? Alles, was wir in der Natur sehen - an Pflanzen, Tieren, Menschen – ist Ausdruck einer Innerlichkeit. Sie findet ihren Ausdruck im Äußeren und ist Vorbild für das
organische Bauen. Es geht aber nicht um die Reproduktion schon vorhandener organischer Formen. Für diese Bauformen gibt es kein Vorbild, das in der Natur unmittelbar vorhanden wäre, und es geht auch nicht darum,
„die Form eines organischen Wesens symbolisch hier in Bauformen auszudrücken, ... , sondern darum, einzusehen, dass, um ein organisches Wesen zu begreifen, notwendig ist eine ganz bestimmte Art von intuitiven
Gedankenformen. Und dann muss man in der Lage sein, ganz ursprünglich und elementar aus einem solchen intuitiven Denken heraus auch diese Bauformen zu finden“ ( Rudolf Steiner: Architektur, Plastik und
Malerei des Ersten Goetheanums. Einzelausgabe aus GA 289, Dornach, 2. Aufl. 1982, S.14/15). Man muss also zunächst das Verständnis des Lebendigen haben, das Prinzip der Metamorphose wirklich innerlich intuitiv
erfasst haben, dann erst kann man daraus die Kräfte ziehen für das organische Bauen.
Jede Einzelheit im Bau sollte nur eine Bedeutung haben im Zusammenhang mit dem Ganzen und aus dem Ganzen heraus begriffen werden.
Schaffen wir es, jeden Winkel des Baues zu durchseelen und dadurch die Wirkung geistiger Wesen hereinzuholen?
So lag das Bemühen dieser Studienwoche zum einen darin, die „Gesetze des Lebendigen“ zu erarbeiten, so, wie sie von Goethe in der
Metamorphosenlehre gefunden wurden, und sich einzugewöhnen in solche „intuitiven Gedankenformen“. Zum anderen entstanden erste Model-le.
Mehr zur Arbeit dieses Studienkreises bald unter www.organisches-bauen.net, das nächste Arbeitstreffen findet statt am 17.01.04, die nächste
Studienwoche vom 25.-31.07. 2004.
Simone Lindau, Görwihl
Erscheinen des beigefügten Tagungsberichtes in den „Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit in Deutschland“
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