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Zusammenarbeit mit dem Verein für anthroposophisch
erweiterte Pflege
Seit dem Spätherbst des Jahres 2001 konnte in der
Zusammenarbeit des Vereins für anthroposophisch erweiterte Pflege und des Mannheimer Studienkreises zum Bauimpuls Rudolf Steiners eine intensive Vorbereitung zur Errichtung eines organischen Baues einer Pflegestätte
im oben gekennzeichneten Sinne durchgeführt werden. In regelmäßigen Treffen des Baukreises des Vereins und in Studienwochen zum Bauimpuls Rudolf Steiners wurden inhaltliche und künstlerische, praktische und
technische Vorarbeiten geleistet. Ein erster Vorentwurf konnte für ein zunächst ins Auge gefasste Gelände hergestellt werden. Ein weiterer Entwurf wurde für einen zweiten möglichen Standort mit Grundrissen und einem
Plastilinmodell erstellt. Die Planung berücksichtigt insbesondere das Zusammenleben der Betreuten und ist bemüht, eine ihrem Schicksal angemessene Lebensweise durch die Formen der Architektur zu fördern.
Ergebnisse der inhaltlichen und praktischen Vorarbeiten an dem Baugedanken der Pflegestätte waren:
1. die Charakterisierung der verschiedenen Bereiche hinsichtlich der Funktion, Lebensformen, Ziele
und Aufgaben. In eingehender Weise wurde in der Zusammenarbeit von Pflegepersonal, Künstlern und Architekten an der Beschreibung und Charakterisierung gearbeitet.
2. die Herausarbeitung von übergreifenden Gesichtspunkten für die Bestimmung des Baugedankens
der Pflegestätte. Hierzu wurden die Hauptmerkmale:
a) Individualität - besondere Lebens- und Schicksalssituation der Betreuten,
b) aktiv schützende und differenziert wahrnehmende Zuwendungskraft der Betreuer und
c) Gemeinschaft des sozialen und kulturellen Lebens bestimmt
Der Vorbereitungskreis konnte gemeinsam zu der Überzeugung kommen, dass die Situation des
pflegebedürftigen Menschen im Alter und auch in jüngeren Jahren immer zugleich eine Chance und Aufgabe der Persönlichkeitsbildung und Steigerung der Entwicklungskräfte beinhaltet, insbesondere wenn dieses
durch die Umgebung wahrgenommen, ermöglicht und aktiv gefördert wird.
Das Verrichten und Wiedererlernen einfachster Tätigkeiten, die Bewältigung der persönlichen
Schicksalssituation und das Angewiesensein auf soziale Hilfe bedeuten Herausforderungen für jede Persönlichkeit und für das Erwecken von Überwindungskräften. Selbst Phasen eines verminderten
Bewusstseinszustandes können als Zeichen eines schicksalhaften Prozesses gesehen werden, der umso mehr die Aufmerksamkeit auf das Fortbestehen eines unantastbaren Persönlichkeitskerns lenken kann.
Der Blick auf diesen Wesenkern der Persönlichkeit kann zur Quelle für Aufmerksamkeits- und Liebekräfte für
die Mitarbeiter der Einrichtung werden und zu den richtigen Intuitionen im Handeln führen.
Die Formen und Einrichtungen des Bauwerkes sollen durch ihre künstlerische Gestalt die besten Kräfte und
die Aufmerksamkeit für die Aufgaben und die Möglichkeiten der Pflege wecken.
In diesem Sinne wurden zahlreiche Form- und Farbstudien für die Bereiche der Pflegestätte und zur
Gesamtgestalt in künstlerisch-praktischen Übungen durchgeführt.
Die Charakterisierung der verschiedenen Bereiche der Pflege hat maßgeblich zur Gliederung und
Gestaltbildung der bisher erarbeiteten Entwürfe zum Baukörper beigetragen.
Ein Ziel der Verwirklichung des beschriebenen Baugedankens könnte es sein, durch die Gestalt des
Bauwerkes in der Öffentlichkeit eine Empfindung der Würde und Bedeutung von Pflegeeinrichtungen in der heutigen Zeit zu vermitteln. Es wäre dies ein Zeichen für ein Verständnis, das im Alter und in der
körperlichen und seelischen Behinderung nicht einen Zustand minderen Wertes und Niedergangs sondern einen Reifeprozess im Schicksalslauf der Menschen zu sehen vermag.
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